Rundfahrt über die Berg´

Bericht über unsere Rundfahrt über die Berg´, gefahren im August 2017. Getragen haben uns eine Vespa Rally, so halbwegs original und gut eingefahren, sowie eine 125 PX mit 177 Heferl, ebenfalls ordentlich fit. Beide Roller mit Gepäckträgern vorne, verschlimmern zwar den cw-Wert drastisch, was bei den erreichten Geschwindigkeiten aber eh wurscht ist, die Gewichtsverteilung aber verbessern. Einziges Zugeständnis an moderne Hilfsmitteln war ein Garmin Navi, und eine Faltlandkarte von 1996, aber Straßen haben die Angewohnheit dort zu bleiben wo sie sind und sich keinen neuen Verlauf zu suchen.

Als Lenker der Rally bin ich nun um die Erfahrungen reicher, dass a) Vespafahren die Kommunikation fördert, man quasselt mit allen möglichen Leuten über das Reisen mit alten Rollern, b) der Sito + Auspuff nicht das Gelbe vom Ei ist, c) man mit einer Vespa nie alleine ist und d) Quartiere bei den Kaisertagen in Bad Ischl rar sind.

Lesachtal
Lesachtal

Day 1 mit 412 Kilometer

Start um 6.45 in St. Pölten mit Abholung des Reisepartners Fritz in Obergrafendorf. Nach 0,5 Kilometer zurück zum Start, Fritz hat sein Handy vergessen. Über Scheibbs und Hieflau zum zweiten Frühstück nach Admont. Über die Schönheiten des Gesäuse ist schon viel geschrieben worden, daher folgen hier keine weiteren Ausführungen. Leider immer wieder Regen, später im Ennstal der erste Wolkenbruch der übleren Art, unterstellen und warten. Der Sölkpass  war aufgrund von Muren Abgängen gesperrt, daher die fade Strecke über Radstadt und Obertauern. Ebendort ein weiteres heftiges Gewitter, unterstellen und sicherheitshalber Kaiserschmarren im Trockenen. Dann wird’s endlich besser, der Himmel zwar noch wolkenverhangen und grau, aber trocken geht’s über Bundschuh und der Dr. Josef Mehrl Hütte (1720 Meter) nach Gmünd ins Porsche Museum. Ab hier Sonne (typisch Kärnten)! Die restlichen Kilometer bis nach Reisach im Gailtal ohne Regenoverall.

Day 2 mit 283 Kilometer

Bei strahlendem Sonnenschein durchs gesamte Lesachtal (bekannt nicht nur wegen der traumhaften Strecke, sondern auch vom letzten James Bond Streifen) nach Sillian in Osttirol. Dort ein netter kleiner Flohmarkt und die Gelegenheit den Hunger mit Schnitzelsemmerl und Tiroler Kola zu stillen. Gemütlich rollern wir Richtung Cortina d´Ampezzo, imposant die Dolomiten, aber auch die gnadenlose, beidseitige Kolonne der Wohnmobile, Familienkombis, Motorradln und Radfahrer, überholen macht da nicht viel Sinn. Dafür entschädigen dann der Passo di Falzarego (2105 Meter) und der Passo di Pordoi (2239 Meter), tolle Auffahrt und herrliche Sicht auf die Südtiroler Dolomiten. Nach dem Passo di Costalunga (1752 Meter) geht’s dann flott runter nach Bozen und weiter nach Marling bei Meran. Hungrig treiben wir die Vespen mit knapp 100 km/h auf einem Stück Autobahn Richtung Meran, rechts und links Obstplantagen. Das war zwar nicht vorgesehen, aber ein paar Vollgaskilometer am Ende des Tages können ja nicht schaden. Sauna, Pool, Pizza, Espresso und Bier beenden den Tag.

Day 3 mit 301 Kilometer

Vom zauberhaften Ort Marling über Meran geht’s Richtung Spondinig zum Passo dello Stelvio (Stilfserjoch), quasi ein „must have“ wennst in der Gegend bist. Gleich zu Beginn der ersten Kehren schließen wir uns einem Pulk von „originalen“ Faro Bassos aus Padua an. Deren Kampflinie in den unzähligen Kurven beeindruckt, ebenfalls die Motorleistung der Vespas. Wir müssen schon ordentlich am Kabel ziehen um mitzuhalten.

stelvio 1

Meine Faulheit, nicht umzudüsen, quittiert die Rally mit Leistungsverlust in den letzten 4 Kehren, mit den beiden untersten Gängen würge ich mich auf die 2757 Meter. Ziemlich überrascht sind wir über das Alter der Faro Basso Driver, allesamt ältere Herren so um die sechzig.

Bergab über die Schweizer Seite des Stelvio geht’s nach Müstair, wir stellen fest, unser Zuckerhaushalt ist schwer defizitär. Eisbecher und Kuchen helfen. Weiterfahrt über den Reschenpass mit der Foto-Pflichtpause vom Kirchturm.

Über Landeck geht’s nach Innsbruck. An einer Ampel ein Gequatsche mit anderen Vespa Fahrern und gemeinsame Weiterfahrt nach Schwaz. In Schlitters im Zillertal die erste Zwangspause der Fahrt, die Kupplung der Rally gibt auf. Nach der ersten Diagnose bleibt Dietmar mit seinem Fahrrad stehen und verspricht Hilfe. Eine Stunde später wuchten wir gemeinsam einen alten 200er PX Motor aus seinem Kofferraum und montieren dessen Kupplung in die Rally. Soviel zum Punkt „c“ der Einleitung. Und ein dickes DANKE an Dietmar.

Day 4 mit 331 Kilometer

Nach einem technischen Check verspricht ein herrlicher Sonnenmorgen feine Bergkilometer, über Zell am Ziller geht’s links rauf auf den Gerlospass. Schrecksekunde in Gerlos, irgendwas scheppert verdächtig, schnell ist die Gefahr gebannt, das Werkzeug in der hinteren Seitenbacke hat sich selbstständig gemacht.

In Mittersill verlassen wir den Kolonnenverkehr Richtung Kaffeehaus, bei Kaffee und Mehlspeise (Zuckerhaushalt) beschließen wir, dem Vötter Oldtimermuseum in Kaprun einen Besuch abzustatten. Dort sind wir fast alleine, dafür tummeln sich am Busparkplatz zum Pumpspeicherkraftwerk Glockner-Kaprun arabische Besucher in großen Mengen. Naja, Tourismus eben.

Flott geht’s nach Wagrain, dort Zwangspause und Kontrolle des PX Motors, der verliert seit geraumer Zeit Getriebeöl. Unglücklicherweise reißt bei der Montage des hinteren Rades ein Stehbolzen der Bremstrommel ab. Wir beschließen, um Murphys Gesetz zu umgehen, nichts mehr zu machen und füllen eben Öl nach. Und außerdem „ist´s eh nimmer weit“. Die traumhafte Straße auf die Postalm nähe Wolfgangsee genießen wir. Punkt „d“ ist hier angesprochen, nach zahlreichen Anfragen und Telefonaten buchen wir eine 4**** Hütte in Gosau und lassen den Tag mit Eierschwammerl und Hühnercordon Bleu ausklingen.

Day 5 mit 234 km

Kühle Morgenluft auf den ersten Kilometern, die Motoren freuts und dementsprechend flott geht’s nach Hallstatt. Dort ergötzen wir uns an dem Treiben am kleinen Hauptplatz, Massen von Chinesen, anderen Asiaten und dazwischen wieder Horden von Chinesen, knipsen wie irr und laufen aufgescheucht umher. Rent a Dirndl boomt (1 Stunde Leihdirndl um 22 €), wir zerkugeln uns ob der abartigen Poserei der Verkleideten und hauen dann zügig ab. Um 12 Uhr Mittag ist der Treffpunkt mit unseren Ladies in Admont vereinbart (Partner Fritz bleibt mit seiner Family im Ennstal, meine Doris fährt mit seiner PX weiter nach Hause). Dazwischen auf der Tankstelle in Bad Mitterndorf ein weiteres Erlebnis zu Punkt „a“, was für eine geiler Citroen HY Camper! Wir verquatschen uns natürlich, eh wie immer.

Die restlichen 160 Kilometer in die heimatliche Garage bei 32 Grad Temperatur machen nochmals richtig Spaß … ich tät sagen „Fritz, sowas machma wieder“.

 

 

 

 

 

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